KI-generiert: Morgendämmerung über den Reisterrassen von Mù Cang Chải, Nebel zieht über die wassergefüllten TerrassenKI-Bild

Die Reise

Vietnamesischer Reis: Eine Reise vom Reisfeld auf deinen Teller

Wasserspiegel in den Terrassen, Büffel im Delta, dampfende Schalen am Straßenrand. So wird aus einem Korn das Fundament einer ganzen Küche.

12 Min. LesezeitAktualisiert am 27. Oktober 2026

Die Reise eines Reiskorns

Vom Reisfeld bis auf deinen Tisch. Tippe auf eine Station.

  1. Saat
  2. Feld
  3. Ernte
  4. Markt
  5. Küche
  6. Tisch
  7. Zuhause

Kapitel

Das Wichtigste in Kürze

  • Vietnamesischer Reis ist mehr als eine Beilage: Das Wort „cơm“ steht für gekochten Reis und für die Mahlzeit selbst. Wer „ăn cơm“ sagt, meint essen.
  • Das Mekong-Delta liefert etwa die Hälfte der Reisproduktion des Landes und über 90 % der Exporte. 2025 exportierte Vietnam rund 8,06 Mio. t Reis für rund 4,1 Mrd. USD.
  • Vier Typen musst du kennen: Duftreis für den Alltag, Klebreis (gạo nếp) für Xôi und Bánh chưng, Bruchreis (gạo tấm) für Cơm tấm und Reispapier und Reisnudeln als verarbeiteter Reis.
  • Der Reissorte ST25 aus Sóc Trăng wurde 2019 auf der World Rice Conference in Manila zum „World's Best Rice“ gekürt.
  • In Deutschland ist das meiste, was als Jasminreis im Regal steht, thailändisch. Auf Herkunftsangabe und Kornart zu achten lohnt sich.

Vietnamesischer Reis: mehr als eine Beilage

Wenn du in Deutschland nach vietnamesischer Reis suchst, findest du Rezepte, Restaurantkarten und Supermarktkategorien, aber kaum eine Seite, die erklärt, was dahintersteckt. Das ist erstaunlich, denn in kaum einer Küche der Welt ist ein einzelnes Lebensmittel so tief in Sprache, Alltag und Familienleben verankert wie hier.

Das fängt bei den Wörtern an. Vietnamesisch trennt drei Dinge sauber: lúa ist die Pflanze auf dem Feld, gạo der rohe, geschälte Reis, cơm der gekochte. Und cơm ist gleichzeitig das Wort für die Mahlzeit. „Ăn cơm“ heißt wörtlich „Reis essen“ und bedeutet in der Praxis: zu Mittag oder zu Abend essen, ganz gleich, ob auf dem Tisch Fisch, Suppe oder Gemüse steht. Eine Mahlzeit ohne Reis fühlt sich für viele Vietnamesen nicht wie eine richtige an.

Der gängige Gesprächsöffner „Ăn cơm chưa?“, also „Hast du schon gegessen?“, ist deshalb keine Frage nach dem Magen, sondern nach deinem Wohlergehen. Mehr dazu findest du im Kapitel Reiskultur und Tết.

Wie ernst die Vietnamesen ihren Reis nehmen, zeigt schon der Blick auf die Küche. In vielen Haushalten steht ein Reiskocher, der täglich läuft. Zu vielen Hauptgerichten wird eine Schale Reis serviert. Und viele Straßenstände verkaufen irgendeine Form von Reis: als Teller, als Nudel, als Papier, als Brei.

Das Besondere ist die Ruhe, mit der das geschieht. Reis ist nichts, was man feiert, weil er etwas Besonderes wäre. Er ist da, jeden Tag, in jeder Mahlzeit, und gerade deshalb sagt man über jemanden, der gut kocht, auch: Er kocht guten Reis. Ein Gericht mit Fleisch kann jeder würzen. Ein Reis, der locker, duftend und genau richtig weich ist, verrät die Hand.

Dieser Guide ist die Landkarte für alles Weitere. Er führt dich von den Feldern zu den Sorten, von der Küche an den Tisch und von dort in deine eigene Küche in Deutschland. Jedes Kapitel verweist auf eine ausführliche Seite, wenn du tiefer einsteigen möchtest. Du kannst von vorn lesen oder dir die Station heraussuchen, die dich gerade interessiert.

So sagst du es auf Vietnamesisch

gạo lứtgaao lut · Naturreis, Reis mit Kleieschicht
Ăn cơman kerm · Reis essen, eine Mahlzeit einnehmen
Ăn cơm chưa?an kerm tschuʌ · Hast du schon gegessen? (freundlicher Gesprächsöffner)
chén cơmtschen kerm · Schale Reis

Noch ein Wort zur Sprache, weil sie viel erklärt. Wer Vietnamesisch lernt, merkt schnell, dass Reis in unzähligen Wendungen steckt. „Cơm“ taucht in Gerichtsnamen auf, in Redewendungen über Fleiß und Sparsamkeit und im Wort für den Kochtopf. Selbst der knusprige Reis vom Topfboden hat einen eigenen Namen. Das ist kein Zufall: Eine Sprache bildet aus, was ihre Sprecher täglich brauchen.

Für dich heißt das: Wenn du dir die wenigen Vokabeln dieses Guides merkst, verstehst du Speisekarten, Marktgespräche und Kochvideos deutlich besser. Die Aussprache hörst du in den Audio-Clips bei den Vokabelkarten.

Reisexport Vietnams 2025
~8,06 Mio. t
Reisexport Vietnams 2025
Exportwert 2025
~4,1 Mrd. USD
Exportwert 2025
der Produktion kommt aus dem Mekong-Delta
etwa die Hälfte
der Produktion kommt aus dem Mekong-Delta
der Exporte stammen aus dem Delta
über 90 %
der Exporte stammen aus dem Delta

Vom Reisfeld zum Markt: Wo vietnamesischer Reis wächst

Zwei Landschaften prägen das Bild. Im Norden stehen Terrassenfelder, die Hand für Hand in Berghänge gebaut wurden. Wasser fließt von oben nach unten durch die Stufen, und im Frühsommer spiegelt jede einzelne Terrasse den Himmel. Das berühmteste Beispiel ist Mù Cang Chải. Hier gibt es keinen Platz für Maschinen, vieles läuft nach wie vor von Hand und mit Büffelkraft.

Im Süden ist es das Gegenteil: das Mekong-Delta. Flach, vom Fluss durchzogen, mit Kanälen, die zugleich Straße, Wasserleitung und Ernteroute sind. Hier wächst der Großteil des vietnamesischen Reises, etwa die Hälfte der gesamten Produktion und über 90 % der Exporte stammen aus dieser Gegend. Meist sind es zwei bis drei Ernten im Jahr, je nach Deichschutz und Region.

Wie das auf dem Feld abläuft, vom Pflanzen der Setzlinge im Wasser bis zur Ernte mit Sichel oder Maschine, erzählt das Kapitel Reisanbau im Mekong-Delta. Dort geht es auch um die Sorgen der Bauern: Versalzung durch Meerwasser und steigende Kosten.

123
  • 1. Mù Cang Chải

    Terrassen im Norden, vom Wasser und vom Nebel geprägt. Ein Bild für Handarbeit und Geduld.

  • 2. Hội An

    Mitten im Land, wo Reis Teil der regionalen Küche ist, etwa als Basis für Nudelgerichte und Reisgebäck.

  • 3. Mekong-Delta

    Das Reisland: flach, wasserreich, Heimat der Sorte ST25 und die Quelle des Großteils der Exporte.

Zwischen Feld und Küche liegt der Markt, und dort entscheidet sich viel. Händler sortieren nach Korn, Duft und Herkunft. Bauern bringen den Reis in Säcken, Großhändler kaufen ihn auf, Mühlen veredeln ihn. Auf städtischen Märkten stehen offene Säcke nebeneinander, jeder mit einem Schild, jeder mit einem anderen Duft. Wer einkauft, greift hinein, lässt die Körner durch die Finger laufen und riecht daran. Das ist keine Show, sondern die schnellste Form der Qualitätsprüfung.

Für den Reis, der exportiert wird, gelten andere Regeln. Er wird nach Qualität und Bruchanteil eingestuft, in große Säcke gefüllt und per Schiff verschickt. Vietnam exportierte 2025 rund 8,06 Mio. t Reis im Wert von rund 4,1 Mrd. USD. Das ist eine gewaltige Menge, und sie zeigt, dass der Reis auf deinem Teller nur ein winziger Teil eines weltweiten Handels ist.

Das bedeutet auch: Nicht alles, was in Deutschland als vietnamesischer Reis verkauft wird, hat denselben Weg hinter sich. Wer Qualität sucht, schaut auf Herkunft, Packungsdatum und Händler. Wie du das konkret machst, steht im Guide Vietnamesischen Reis kaufen.

KI-generiert: Flache Reisfelder im Mekong-Delta bis zum Horizont, ein Wasserbüffel im Wasser und ein Bauer mit HutKI-Bild
Mekong-Delta: flaches Land, viel Wasser, viel Reis.

Nach der Ernte muss der Reis trocknen. Das passiert oft auf Planen in Höfen, auf Betonflächen oder am Straßenrand, ein Anblick, der in vielen Gegenden zum Alltag gehört. Danach geht der Rohreis, der Paddy, in die Mühle, wo die Spelzen entfernt werden und aus braunem Reis weißer Reis wird. Wer Naturreis (gạo lứt) möchte, bekommt das Korn mit der Kleieschicht.

Von der Mühle aus geht es auf den Markt. Dort entscheidet sich, welche Sorte wohin kommt: der edle Duftreis in die Stadt, der Klebreis in die Küchen vor Tết, die gebrochenen Körner zu den Garküchen, die Cơm tấm verkaufen. Welche Sorten das sind und worin sie sich unterscheiden, steht im Kapitel Vietnamesische Reissorten.

KI-generiert: Reis trocknet auf ausgebreiteten Planen in einem Hof, daneben ein Kegelhut (Nón lá)KI-Bild
Trocknen im Hof: ein einfacher Schritt, der über die Qualität mitentscheidet.

Vier Typen vietnamesischer Reis, die du kennen musst

Auf der Packung steht im Zweifel einfach „Reis“. In Vietnam hat jede Verwendung ihren eigenen Typ, und wenn du die Unterschiede kennst, kochst du näher am Original.

Duftreis (gạo thơm). Der Alltagsreis. Lange, schlanke Körner, ein blumiger Duft beim Kochen, locker und leicht klebend im Biss. Wenn ein Gericht keine Sonderrolle für den Reis vorsieht, kommt Duftreis in die Schale. Im deutschen Handel findest du ihn meist als Jasminreis. Bei der Herkunft lohnt der Blick aufs Etikett: Die verbreiteten Marken sind oft thailändisch.

Klebreis (gạo nếp). Kurzes, rundes, weißes Korn, nach dem Garen dicht und glänzend. Er wird gedämpft, nicht gekocht wie Duftreis, und zu Xôi verarbeitet, außerdem ist er die Basis für Bánh chưng und viele Süßspeisen. Wie du ihn zu Hause richtig dämpfst, steht im Xôi-Rezept.

Bruchreis (gạo tấm). Der Bruchreis entsteht, wenn Körner beim Schälen und Polieren in Stücke brechen. Er ist keine eigene Sorte, sondern eine Sortierung nach Korngröße. Er gart schneller und nimmt Soße gut auf. In Vietnam ist er der Reis hinter Cơm tấm, dem Wahrzeichen der Saigoner Straßenküche. Das Cơm-tấm-Rezept führt dich von der Einkaufsliste bis zum Teller.

Verarbeiteter Reis. Aus Reismehl entstehen Bánh tráng (Reispapier), Bún (runde Reisnudeln) und Phở-Nudeln (flache Bänder), dazu Reiswein und Gebäck. Was du beim Kauf unterscheiden solltest, findest du im Reispapier-Guide.

So sagst du es auf Vietnamesisch

cơm tấmkerm tem · Gericht mit Bruchreis
gạo tấmgaao tem · Bruchreis (roh)
gạo nếpgaao nep · Klebreis (roh)
xôisoi · gedämpfter Klebreis
bánh trángban tschang · Reispapier
búnbun · runde Reisnudeln
phởfö · flache Reisnudeln, auch die Suppe

Zu jedem Typ gehört eine Technik, und sie ist der eigentliche Grund, warum Vietnamesen mehrere Reisarten im Schrank haben.

Duftreis braucht Aufmerksamkeit beim Wasser. Zu viel, und er wird matschig. Zu wenig, und er bleibt hart. Wer ihn gewaschen hat, gibt das Wasser nach Packungsangabe zu und lässt ihn nach dem Garen noch einige Minuten zugedeckt ruhen. In dieser Ruhezeit verteilt sich die Feuchtigkeit, und die Körner werden gleichmäßig.

Klebreis wird nicht gekocht, sondern gedämpft, und er braucht Zeit zum Einweichen. Wer diesen Schritt überspringt, bekommt Körner, die außen weich und innen fest sind. Das Ergebnis, Xôi, hat eine dichte, glänzende Textur und trägt Beilagen wie Zwiebelöl, Erdnüsse oder Mungbohnen. Für 250 g gạo nếp gilt: über Nacht, mindestens 4 Stunden einweichen, dann 20 bis 30 Minuten im Dämpfeinsatz garen.

Bruchreis kocht schneller als ganzer Reis und braucht eher etwas weniger Wasser. Er wird oft zu Cơm tấm serviert, einem Teller, bei dem der Reis die Soße aufsaugt. Wer keinen Bruchreis findet, kann Duftreis im Zerkleinerer kurz anbrechen.

Alle drei Typen haben eines gemeinsam: Sie verlangen, dass man dem Reis Aufmerksamkeit schenkt. Das ist der Kern der vietnamesischen Reiskultur.

KI-generiert: Vier Schalen nebeneinander mit Langkornreis, Duftreis, Klebreis und Bruchreis, ohne BeschriftungKI-Bild
Gleiches Korn, vier Rollen: Langkorn, Duftreis, Klebreis, Bruchreis.

Reis in der Küche: Kochen, dämpfen, rollen

Vietnamesische Küche kocht Reis nicht nebenbei, sondern plant um ihn herum. Ein typisches Familienessen besteht aus einer Schüssel Reis in der Mitte, dazu eine Suppe, ein Fischgericht oder Schmorfleisch, Gemüse und eine Schale Fischsoße zum Dippen. Der Reis ist der neutrale Anker, auf dem alles andere gesalzen, gebraten und gewürzt sein darf.

Das Grundprinzip ist denkbar einfach: Reis waschen, bis das Wasser klarer wird, mit Wasser zum Garen bringen, Deckel drauf, ruhen lassen. Wie du das Verhältnis findest, zeigt die Anleitung unten. Ein guter Reiskocher nimmt dir dabei vieles ab. Ob er Fuzzy Logic oder Induktion braucht und welche Größe zu deinem Haushalt passt, steht im Reiskocher-Ratgeber.

Der Rest des Spektrums ist eine Sache der Technik: Klebreis kommt in den Dämpfer, Bruchreis in den Kocher mit etwas weniger Wasser, Reispapier wird kurz benetzt und gerollt, Reisnudeln brauchen nur heißes Wasser oder eine kurze Garzeit.

Basisreis (Duftreis) kochen

Gesamtzeit: 30 Min.

  1. Reis abmessen

    Miss pro Person eine Portion in einem Messbecher ab. Für den Reiskocher gilt der Becher, der zum Gerät gehört.

  2. Waschen

    Den Reis in einer Schüssel mit kaltem Wasser kräftig durchrühren und das trübe Wasser abgießen. Mehrmals wiederholen, bis das Wasser deutlich klarer ist.

  3. Wasser zugeben

    Als Richtwert gilt ein Verhältnis von Reis zu Wasser von etwa 1 : 1,2 bis 1 : 1,5. Prüfe die Angabe auf deiner Packung, denn Sorte und Ernte machen Unterschiede.

  4. Garen

    Im Reiskocher das Programm für weißen Reis wählen. Im Topf aufkochen, dann auf kleinster Stufe mit geschlossenem Deckel garen. Deckel nicht öffnen.

  5. Ruhen lassen und lockern

    Nach dem Garen noch einige Minuten geschlossen ruhen lassen, dann mit einem Reislöffel oder einer Gabel von unten nach oben lockern.

Vom Reis zur Nudel ist es nur ein kleiner Schritt. Aus Reismehl und Wasser entsteht ein Teig, der gedämpft, gepresst oder in Streifen geschnitten wird. Je nach Form entstehen Bún, die runden Nudeln für Salate und Schälchen, Phở-Nudeln, die flachen Bänder für die berühmte Suppe, oder Bánh tráng, das dünne Reispapier für Sommerrollen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie bei geringer Hitze gar werden und viel Flüssigkeit aufnehmen.

Für die Küche in Deutschland ist das praktisch: Reisnudeln und Reispapier halten sich getrocknet lange. Du kannst einen kleinen Vorrat anlegen und daraus innerhalb weniger Minuten ein Essen machen. Ein Nudelsalat mit frischen Kräutern, ein paar Sommerrollen oder eine schnelle Suppe: Alles beginnt mit dem Korn.

Wenn du mit Reispapier arbeiten willst, lies dir den Reispapier-Guide durch. Dort steht, worauf du beim Kauf achten solltest und wie du das Papier einweichst, ohne dass es reißt.

Typische Fehler beim Reiskochen sind schnell aufgezählt: den Reis nicht waschen, das Wasser nach Gefühl abmessen, den Deckel öffnen und zu früh umrühren. Wer diese vier Dinge vermeidet, hat schon das meiste richtig gemacht.

KI-generiert: Ein Reiskocher auf einer Küchenarbeitsplatte in einer europäischen Küche im MorgenlichtKI-Bild
Der Reiskocher ist in vielen vietnamesischen Küchen so selbstverständlich wie der Wasserkocher in deutschen.

Am Tisch: Cơm, Tết und die Frage „Hast du schon gegessen?“

Wer in Vietnam eingeladen wird, bekommt Reis angeboten, bevor er danach fragt. Die Schale wird mit beiden Händen gereicht, Gäste und Älteste werden zuerst bedient. Man isst aus kleinen Schalen mit Stäbchen, und die Mitte des Tisches gehört allen. Wer Stäbchen senkrecht in den Reis steckt, begeht einen Fauxpas: Das erinnert an Räucherstäbchen am Altar und an Totenopfer und gilt bei Tisch als unhöflich. Mehr zu Tischsitten findest du im Kapitel über Reiskultur und Tết.

Zu Tết, dem Neujahrsfest, hat der Reis seine festlichste Form. Im Norden gehört Bánh chưng auf jeden Tisch: ein Quadrat aus Klebreis, in Blätter gewickelt, mit Mungbohnen und Schweinefleisch gefüllt. Die Südvariante heißt Bánh tét und ist zylindrisch. Beide Speisen erzählen vom Land, von der Familie und davon, dass Reis in Vietnam nie nur Nahrung ist.

KI-generiert: Familie sitzt um einen Tisch und isst aus Reisschalen mit Stäbchen, Schüsseln in der Tischmitte, warmes LichtKI-Bild
In der Mitte stehen die Schüsseln, vor jedem die eigene Schale Reis.

Reis begleitet Vietnamesen durch das Leben. Er steht auf dem Tisch bei Familienfeiern und taucht in Redewendungen auf. In vielen Familien stehen auf dem Ahnenaltar im Haus Schalen mit Reis, Obst und Räucherstäbchen als Gabe an die Vorfahren, je nach Region und Haushalt. In vielen Familien wird nicht angefangen zu essen, bevor die Ältesten am Tisch sitzen und sagen, dass es losgeht.

Solche Rituale sind weniger streng, als sie klingen. Sie sind eine Form, Zuneigung zu zeigen: Wer deine Schale füllt, bevor du fragst, sagt ohne Worte, dass er dich im Blick hat. Das gilt für die Mutter, die in den Reiskocher schaut, bevor jemand hungrig ist, genauso wie für den Gastgeber, der dir zum dritten Mal nachlegt.

Wer als Gast in einer vietnamesischen Familie isst, sollte wissen: Nachlegen ist ein Kompliment. Eine leere Schale bedeutet, dass du noch Hunger hast, und wird oft sofort gefüllt. Wenn du satt bist, lass etwas Reis in der Schale oder sag freundlich, dass es köstlich war und du nicht mehr kannst.

So sagst du es auf Vietnamesisch

bánh chưngban tschung · gefülltes Klebreisquadrat zu Tết
Tếttet · Neujahrsfest
đũaduʌ · Stäbchen
cháotschau · Reisbrei, Congee
cơm chiênkerm tschien · gebratener Reis

Vietnamesischen Reis nach Deutschland holen

Die gute Nachricht: Du brauchst keinen Flug nach Sài Gòn, um richtigen Reis zu essen. Die schlechte: Im deutschen Supermarkt steht unter „Jasminreis“ meist thailändischer Reis. Das ist kein schlechter Reis, aber er ist nicht dasselbe. Für den Alltag spielt das kaum eine Rolle, für ein Cơm-tấm-Teller oder ein Xôi mit dem richtigen Biss schon.

Worauf du beim Einkauf achten solltest:

  • Herkunft auf der Packung. Steht „Vietnam“ drauf, ist das ein guter Anfang. Steht nur „Jasmin“ oder „Duftreis“, schau auf die Rückseite.
  • Korntyp. Lang und schlank für Duftreis, kurz und rund-opak für Klebreis, kleine Bruchstücke für Gạo tấm.
  • Packungsgröße. Reis hält sich trocken und kühl lange. Wer regelmäßig kocht, spart mit größeren Gebinden.
  • Asia-Laden vs. Supermarkt. Im Asia-Laden findest du häufiger Bruchreis, Klebreis und Reispapier in unterschiedlichen Qualitäten.

Welche Sorten sich im deutschen Handel finden und wie du sie erkennst, steht im Guide Vietnamesischer Reis kaufen. Wer sich die Küche einrichten will, findet im Kapitel Ein Stück Vietnam nach Hause Zubehör und eine ehrliche Einkaufsliste.

Der Einstieg in die Reisküche

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Unsere Wahl

Duftreis Jasmin (5 kg)

Duftreis ist der Alltagsreis und die richtige Basis für die meisten Gerichte. Ein größeres Gebinde lohnt, wenn du öfter kochst.

Pro
  • Passt zu fast allem, vom Schmorgericht bis zur Suppenbeilage
  • Gut lagerbar bei trockener Aufbewahrung
  • Größere Gebinde sparen Verpackung und Geld
Contra
  • Im Handel oft thailändischer Reis, nicht zwingend aus Vietnam
  • Große Säcke sind unhandlich zu lagern
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Preis-Tipp

Reiskocher klein (1–1,8 l)

Ein kleiner Reiskocher ist die einfachste Möglichkeit, jeden Tag gleichmäßigen Reis zu bekommen, ohne am Herd zu stehen.

Pro
  • Nimmt wenig Platz weg
  • Reicht für ein bis zwei Personen
  • Warmhaltefunktion für spätes Essen
Contra
  • Für Familien zu klein
  • Einfache Modelle haben kaum Sonderprogramme
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Reisschale Keramik

Schalen verändern, wie du isst: Die Schale in der Hand gehört zum Reisessen dazu.

Pro
  • Liegt gut in der Hand
  • Passt zu Stäbchen und Tischkultur
  • Spülmaschinenfest je nach Modell
Contra
  • Keramik kann beim Fallenlassen brechen
  • Größe der Schale beeinflusst die Portion
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Eine einfache Checkliste hilft beim Start in die eigene Reisküche:

  • Herkunft prüfen. Packung umdrehen, Land suchen. Steht dort Vietnam, ist das ein gutes Zeichen. Steht dort Thailand, ist der Reis gut, aber anders.
  • Korn prüfen. Lang und schlank für Duftreis, kurz und rund-opak für Klebreis, kleine Stücke für Bruchreis.
  • Passenden Reis zum Gericht wählen. Duftreis zu Schmorgerichten, Klebreis für Xôi und Bánh chưng, Bruchreis für Cơm tấm.
  • Waschen nicht vergessen. Auch bei Packungen, die „küchenfertig“ sagen.
  • Wasser abmessen. Nach Packungsangabe prüfen und merken, was bei dir funktioniert.
  • Ruhen lassen. Nach dem Garen noch ein paar Minuten bei geschlossenem Deckel.
  • Richtig lagern. Trocken, kühl, luftdicht.

Damit hast du mehr Wissen als die meisten, die vietnamesischen Reis im Supermarkt in den Korb legen. Der Rest ist Übung. Und wer Lust hat, die Küche stilvoll einzurichten, findet im Kapitel Ein Stück Vietnam nach Hause Zubehör und Ideen. Wer Reis zum ersten Mal stilecht gedämpft essen will, startet am besten mit dem Xôi-Rezept oder dem Cơm-tấm-Rezept.

Noch ein praktischer Gedanke zum Schluss: Fang klein an und bleib neugierig. Eine Packung Duftreis, ein Messbecher, ein Topf mit Deckel: Mehr braucht es nicht für den ersten Schritt. Wer Spaß am Reis gefunden hat, erweitert die Küche nach und nach um Klebreis, Bruchreis und Reispapier. Jede neue Zutat öffnet ein weiteres Kapitel dieser Küche, und jedes Kapitel hat in diesem Guide seine eigene Seite.

Häufige Fragen

Welcher Reis wird in Vietnam gegessen?

Im Alltag vor allem Duftreis (gạo thơm), dazu Klebreis (gạo nếp) für Xôi und Bánh chưng sowie Bruchreis (gạo tấm) für Cơm tấm. Aus Reismehl entstehen außerdem Reispapier und Reisnudeln.

Was bedeutet „cơm“ auf Vietnamesisch?

Cơm ist der gekochte Reis und zugleich das Wort für die Mahlzeit. „Ăn cơm“ heißt deshalb wörtlich „Reis essen“ und bedeutet: eine Mahlzeit einnehmen.

Ist Jasminreis dasselbe wie Duftreis?

Im deutschen Handel werden die Begriffe oft gleich benutzt. Jasminreis ist eine Form von Duftreis. Entscheidend ist die Herkunft: Viele Packungen im Regal sind thailändisch, vietnamesischer Duftreis ist eigenständig und im Asia-Laden oft leichter zu finden.

Was ist der Unterschied zwischen Klebreis, Duftreis und Bruchreis?

Duftreis hat lange Körner und gart locker. Klebreis ist kurz und rund und wird gedämpft, damit er dicht und glänzend wird. Bruchreis besteht aus gebrochenen Körnern und gart schneller. Er gehört zum Gericht Cơm tấm.

Was ist ST25 und warum gilt er als besonderer Reis?

ST25 ist eine Duftreissorte aus Sóc Trăng im Mekong-Delta, gezüchtet von Hồ Quang Cua. 2019 gewann sie bei der World Rice Conference in Manila den Titel „World's Best Rice“.

Wie viel Reis exportiert Vietnam?

2025 exportierte Vietnam rund 8,06 Mio. t Reis im Wert von rund 4,1 Mrd. USD. Das Land zählt zu den größten Reisexporteuren der Welt.

Brauche ich einen Reiskocher für vietnamesischen Reis?

Nötig ist er nicht, praktisch aber schon. Im Topf gelingt Reis ebenfalls. Ein Reiskocher liefert jeden Tag dasselbe Ergebnis und hält den Reis warm. Welche Ausstattung sinnvoll ist, erklärt der Reiskocher-Ratgeber.

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